Michael Preschl  ist hauptberuflichlich als Meisterfotograf tätig. Er ist nicht nur durch seine klare Bildsprache aufgefallen, sondern auch durch seine Offenheit, sich in seinem Genre weiter und weiter zu perfektionen. Seine langjährig erworbenen Kenntnisse in Design und Neuromarketing verführen ihn heute, Dinge mit der Frage nach dem visuellen USP zu betrachten. Sie bilden das Fundament seiner Arbeit. Was er fotografiert, möchte bestmöglich verkauft werden.

Die psychologischen Abläufe von Wahrnehmung, Überzeugung und Motivation sind Michael Preschl aus Salzburg bestens bekannt. 15 Jahre lang, bevor er in das fotografische Gewerbe wechselte, war der gelernte technische Zeichner für den größten Drogeriehändler Deutschlands tätig. Sein Schwerpunkt: Shopeinrichtungsdesign unter Berücksichtigung angewandter neurowissenschaftlicher Psychologie. Die Fotografie war ihm dabei ein ebenso wichtiges Werkzeug, wie das CAD-Programm.

photograph: Herr Preschl, Ihr fotografischer Schwerpunkt liegt in Produkt und Werbung. Unter welchen Gesichtspunkten eröffnen Sie Ihre Arbeit, was unterscheidet Sie von der Produktfotografie Ihrer Kollegen?

Michael Preschl: Wir wissen, dass ökonomische Entscheidungen zu großen Teilen auf unbewusst ablaufenden Prozessen beruhen. Werbefotos sollen diese Impulse in einem hoch kompetitiven Umfeld wecken. Ich habe viele Jahre unter dem Gesichtspunkt des Neuromarketing Design entwickelt. In der Fotografie ist es sehr ähnlich. Ich analysiere das Produkt nach diesen Kriterien, also Linienführung, Haptik, Material, Temperatur… und arbeite dann gezielt die Benefits heraus. Bei Imagefotografie gilt: Wenn das Produkt am Foto wertiger wirkt, als in Realität, ist es perfekt. Dann wollen es die Leute kaufen.

ph: Machen Sie keine Unterschiede bei verschiedenen Produktfamilien?

M.P.: Nein. Ich fotografiere einen Bergschuh unter der selben Voraussetzung wie eine Wimperntusche oder feines Essen. Natürlich unter Berücksichtigung der Bildsprache des Kunden – die muss sich wiederfinden.

ph: Wimperndusche ist ein gutes Beispiel…

M.P.: Ja, Wimperndusche ist ein Massenprodukt mit hohen Margen. Marketer lassen nichts dem Zufall übrig, um es einzigartig wirken zu lassen. Die Grundidee wird meist bereits beim ersten Briefing geboren. Licht ist ein sehr wichtiges Element, es soll das Produkt lebendig machen. Und diese Lebendigkeit weckt Kaufimpulse.

ph: Sie unterrichten auch an der Meisterklasse in Salzburg?

M.P.: Ich bin seit 2015 Trainer für Kamera- und Lichttechnik sowie Werbung und Produktfotografie. Mir geht es vor allem um Licht. Beispielsweise gibt es „harte“ und „weiche“ Produkte, beide sind unterschiedlich zu beleuchten. Hat man einmal das Prinzip Licht verstanden, kann man strukturiert und zeitschonend an die Arbeit gehen. Und wenn etwas zufällig ergibt, profitiert man davon. So wächst die eigene Kreativität und macht Fotografie richtig Spaß.

Mehr davon gibt es in der Dezember-2018-Ausgabe von „der photograph“ unter http://derphotograph.org.